• Marie Müller aus Hüniken macht Chnöiblätze (Fasnachtschüechli) (Foto: Rosa Widmer, Widmerhof, Steinhof)
  • Fasnachtsgebäck Schlüferli (Foto: Rosa Widmer, Widmerhof Steinhof)
  • Schenkeli Fasnachtsgebäck (Foto: Rosa Widmer, Widmerhof Steinhof)
  • Chnöiblätze: Marie Müller aus Hüniken (Fasnachtschüechli) (Foto: Rosa Widmer, Widmerhof, Steinhof)
  • Rosenchüechli Berner Art (Foto: Rosa Widmer, Widmerhof, Steinhof)
  • Rosenchüechli mal anders

Fasnacht: Närrische Zeiten - nahrhafte Zeiten

Närrische Zeit - nahrhafte Zeit

Fasnacht - schönste Zeit des Jahres! Schräg musizieren, sich kostümieren, das närrische Treiben als Zaungast betrachten und dazu die kulinarischen Fasnachtsspezialitäten geniessen, das ist für viele Fasnächtlerinnen und Fasnächtler das höchste der Gefühle. Selbst wer dem Karneval nicht viel abgewinnen kann, darf sich an den süssen Verführungen gütlich tun.

Formen, Namen und Rezepte gibt es in der Schweiz diverse: Schlüferli, Schenkeli, Hasenöhrli, Chneublätze, Eieröhrli, Tabakrollen, Schurzbändeli, Schneeballen, Chrutele, Fasnachtschräpfli, Chropfe, Bohnen, Merveilles, Beignets und wie sie alle heissen. Von der Form her sind sie länglich, rhombenförmig oder gekrümmt, rund oder flach, haben einen glatten oder gezackten Rand, sind gefüllt oder ungefüllt. Am bekanntesten ist das Fasnachtsküchlein.

Bringen wir es auch gleich auf den Punkt: Das Fasnachtsküchlein ist eine fettige Angelegenheit. Das von aussen leichte, ja sogar filigran anmutende Gebäck aus Weissmehl, Eier, Rahm und Zucker besteht u.a. je nach Produzent aus bis zu ca. einem Drittel Fett.
 

Schmalz am schmutzigen Donnerstag

Fettes zu essen, war früher gleichbedeutend mit gut und viel essen, und das hatten die Leute vor der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern sehr nötig. Fettgebackenes wurde traditionell in Schweinefett oder eingesottener Butter gebacken, heute verwendet man hoch erhitzbares Öl, z.B. Erdnussöl.

Der schmutzige Donnerstag, der Donnerstag vor Aschermittwoch, bezeichnet den Tag, an dem das häusliche Backen einst begann. Dieser Tag galt auch als letztmöglicher Schlachttag vor der Fastenzeit. Mit Schmutz wird hier nicht Dreck, sondern Schmalz, Fett bezeichnet. Das Fett als Nebenprodukt des Schlachtens konnte so in der Küche für die beliebten Küchlein gleich verwertet werden.

 

Fettgebackenes: Praktisch und verführerisch

Für die Vielfalt und die Beliebtheit des in Fett Gebackenen in der Vergangenheit gibt es ganz praktische Gründe: Bis ins 20. Jahrhundert war ein Backofen im Privathaushalt keine Selbstverständlichkeit. Fettgebackenes ist ein Herdgebäck, für seine Zubereitung braucht es eine grosse, weite Pfanne über dem offenen Feuer. Die Fettmenge muss reichen, um das Gebäck mehrmals zu wenden und es mit Fett zu übergiessen. Normalerweise stellte man dann gleich eine ordentliche Menge her.

Überhaupt galt Fettgebackenes als das Gebäck und die Backmethode par exellence. Nicht nur zur Fasnacht, sondern auch zu Familienfesten, zur Chilbi oder zum Erntefest wurde so gebacken. Küchlein bildeten manchmal den Beginn einer Ehe, die heiratsfähigen Frauen stellten sie den Männern an der Fasnacht auf. Das Naschen an diesen Küchlein - und vor allem an anderen «süssen Dingen» - war sehr beliebt, so beliebt, dass die kirchliche Obrigkeit zeitweise das erwähnte Küchleinschenken aus moralischen Gründen verbot! 


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