• Wuhrplatz Langenthal (Foto: www.lapetanque.ch)
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  • Impressionen Wuhrplatzfest 2011

Wuhrplatz Langenthal

Der Wuhrplatz grenzt an den alten Ortskern von Langenthal und war früher laut Chronik ein lebendiger Begegnungsort, wo die verschiedensten Gewerbe ausgeübt wurden und wo vor allem Arbeiter und Handwerker lebten. In den letzten Jahren jedoch diente der Platz vor allem als Durchgang und als Parkplatz. Mit der Gesamterneuerung im 2011 wurde er wieder zu einem Ort der Begegnung, wo man sich gerne aufhält und verweilt.


Projekt Tropfen
(Projekt-Beschreibung Sanierung Wuhrplatz Langenthal, 2011)

Langenthal – Behäbigkeit und Design
Die alten städtischen Häuser im Ortskern strahlen Beständigkeit und Ordnung aus. Von aussen jedoch nimmt man Langenthal stark durch seine Aktivitäten im Designbereich wahr. Die alteingesessene Textil- und Möbelindustrie kreiert avantgardistische Stoffe, Teppiche und Möbel. Der Designers' Saturday ist ein Magnet der internationalen Designszene und zieht alle zwei Jahre viele Besucher aus Nah und Fern an. Aus diesem Zusammentreffen von Tradition und neuem Design entsteht ein eigener Charme. Diese beiden Eigenheiten sollen in der Projekt-Umsetzung sichtbar werden.
 

Tropfen
Tropfen fallen auf den Boden, auf das Wasser. Auf dem Wasser lässt der Aufprall des Tropfens kleine Ringe entstehen, die sich vom Zentrum her ausbreiten. Die Kreise werden immer grösser, werden flacher und lösen sich auf der Wasseroberfläche wieder auf. Wenn ein Tropfen auf den nassen Boden fällt, entsteht eine sogenannte Wasserkrone. Durch den Aufprall entsteht eine hohle Rundform, die an eine Krone erinnert. Es sieht aus wie eine Art Gefäss. Mit diesen beiden Formen wurde gearbeitet.

Pflästerung
Von Anfang an war vorgesehen, den ganzen Wuhrplatz zu pflästern, um so den Zusammenhang mit dem alten Stadtkern zu betonen und den Platz zu homogenisieren. Mit hellen und dunklen Pflastersteinen wurden über den ganzen Platz konzentrische Kreise gelegt, die an die oben erwähnten Wasserringe erinnern. Durch den Einbezug des ganzen Platzes entstand eine grosszügige Geste an die Adresse des Ortes. Die Kreise verschwinden unter den Inseln und den Häusern, um auf der andern Seite wieder aufzutauchen. So wurde der Zusammenhang des Platzes in sich unterstützt. Die Kreise erzeugen einen Sog zum Zentrum hin, gleichzeitig wirken sie beruhigend durch ihre Regelmässigkeit. Die jahrhunderte alte Technik der Pflästerung wird beibehalten und nimmt Bezug auf das Traditionelle des Ortes.
Die Wasserkreise beinhalten auch die Symbolik der Zeit. Sie breiten sich aus und verschwinden langsam. Durch die Jahre hat der Wuhrplatz schon verschiedene Gesichter gehabt. Jetzt ist wieder ein neues dazu gekommen.

Wasserbecken mit Stele
Im Zentrum der Kreise befindet sich ein Wasserbecken, von einem Gitter bedeckt, und eine Wasserstele. Die Stele, die sich in der Mitte des Beckens befindet, besteht aus einem transparent eingefärbten Fiberglasrohr und erinnert an eine Wasserkrone in stilisierter Form. Die Stele wird mittels einer Pumpe mit Wasser gefüllt und zum Überlaufen gebracht, so dass das Wasser aussen herabfliesst. Von innen her wird sie beleuchtet. Die Stele ist so hoch, dass man sie von weit her sieht und man von oben nicht hineinschauen kann. Man schaut waagrecht an den sanft leuchtenden Körper, der sich durch das herabrinnende Wasser leicht zu bewegen scheint. Durch das transparente Material und das durchscheinende Licht wirkt die Stele futuristisch und nimmt so Bezug auf die Design Aktivitäten im Ort.

Das Wasser wird in einem runden Becken von 4m Durchmesser aufgefangen, das ebenerdig in den Boden eingelassen ist. Das Wasser im Becken wird beleuchtet. Auf dem Becken liegt ein begehbares Gitter mit einem ornamentalen Muster. Hier kommen mehrere Bezüge zum Tragen: Das Wasser unterhalb des Gitters weist auf die Mineralquelle hin, auf die man bei einem Aushub im 19. Jh gestossen ist. Auch auf das Wort Wuhr – künstlicher Wasserlauf – wird so angespielt. Und natürlich wird durch das Muster auch das Thema Design angesprochen. Das Muster erinnert an ein gehäkeltes Spitzentuch aus der Textilindustrie, die in Langenthal bis heute immer sehr präsent war. Das Licht im Becken und der Stele ist zeitlich an die Strassenbeleuchtung gekoppelt. Formal greifen beide Teile der Arbeit auf den Kreis zurück, doch durch die Materialität und das Licht betont die eine Arbeit die Zukunft und die andere die Vergangenheit und beide treffen sich hier in der Gegenwart.


Quelle: Eva Bertschinger, Kunst und Bau Beitrag (1. Platz)


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